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05.09.2002 - 13:56
Entwicklung ohne Ausgrenzung

Essen (kobinet) Dass die Menschenrechte für alle Menschen gelten, wird gemeinhin allgemein anerkannt. Auch ist es nicht schwierig, Solidarität für Menschen zu finden, deren Menschenrechte verletzt werden. Dies bezieht sich aber in der Regel auf die politischen Menschenrechte, deren Umsetzung weitaus mehr Beachtung gefunden hat. Weniger Beachtung finden in der Regel die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte, in denen sich die Staaten verpflichtet haben, die Existenz eines jeden Menschen zu sichern. Diese Rechte werden immer noch in gravierender Weise verletzt, denkt man an die immer noch 1,2 Milliarden Menschen, die in absoluter Armut leben.

Menschen mit Behinderung sind davon in besonderer Weise betroffen. Nach Schätzungen der Weltbank ist jeder sechste in Armut lebende Mensch von einer Behinderung betroffen (ca. 200 Mio. Menschen), 80 % der Menschen mit Behinderung leben in den sog. Entwicklungsländern. Im Gegensatz dazu werden 90 % der weltweit verfügbaren Rehabilitationsleistungen in den Industrienationen erbracht, 10 % stehen den Menschen in den südlichen Ländern zur Verfügung. Diese ungleiche Verteilung hat dazu geführt, dass lediglich max. 3-4 % der Menschen mit Behinderung in den Entwicklungsländern durch Maßnahmen erreicht werden, die geeignet sind, ihre Lebensbedingungen zu verbessern.

In Entwicklungsländern besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen Armut und Behinderung. Man weiß, dass die Armutsbedingungen für eine Vielzahl von Behinderungen verantwortlich sind. Andererseits ist es den in Armut lebenden Menschen kaum möglich, diesem Teufelskreis zu entfliehen, da die notwendigen strukturellen Angebote nicht vorhanden sind.

Das in der Entwicklungszusammenarbeit gängige Konzept der gemeidenahen Rehabilitation (community based rehabilitation) hat in den vergangenen Dekaden sicherlich dazu beitragen können, dass mehr Menschen mit Behinderung erreicht werden. Angesichts der nach wie vor aber dramatischen Situation wird deutlich, dass dies allein nicht mehr ausreicht. Eine Expertengruppe der Vereinten Nationen hat in den 80er Jahren bereits geschätzt, dass mindestens 25 % der Bevölkerung eines Landes direkt oder indirekt von den Auswirkungen von Behinderungen betroffen sind. In der Entwicklungszusammenarbeit gewinnt die Einsicht zunehmend an Bedeutung, dass die Förderung von Menschen mit Behinderung nicht mehr als karitative Geste verstanden wird, sondern Bedeutung für die Entwicklungschancen der jeweiligen Gesellschaft besitzt. Die Weltbank sowie einige skandinavische Länder haben die Förderung von Menschen mit Behinderung bereits als integralen Teil (Inclusive Development) in ihren Entwicklungsprogrammen implementiert. In Deutschland setzt sich die VENRO-Arbeitsgruppe «Behindertenarbeit in Entwicklungsländern» dafür ein, die Förderung von Menschen mit Behinderung als Querschnittsaufgabe in allen relevanten Programmen und Projekten der Entwicklungszusammenarbeit zu verankern.

Menschen mit Behinderung spielen in der deutschen entwicklungspolitischen Diskussion kaum eine Rolle. Wenn diese Gruppe gefördert wird, so geschieht dies in separaten Projekten. Menschen mit Behinderung gehören als Teil ihrer Gemeinschaft aber im Grunde zur Zielgruppe jeder entwicklungspolitischen Maßnahme, sei es die Unterstützung eines Kindergartens oder der Bau einer Gesundheitsstation. Es gibt in jeder Gemeinschaft Menschen mit Behinderung, die ein Recht haben, einbezogen zu werden.

Mit der Kampagne Entwicklung ohne Ausgrenzung möchte VENRO Menschen mit Behinderung im Rahmen entwicklungspolitischer Aktivitäten sichtbar machen. Die Kampagne ist am 10. Mai 2002 eröffnet worden und endet am 14. Dezember 2002 mit einer Abschlussveranstaltung.

Zur Unterstützung der Kampagne sucht VENRO Eine-Welt-Gruppen, Selbsthilfegruppen von Menschen mit Behinderung, Behindertenverbände oder interessierte Einzelpersonen, die bereit sind, im Rahmen einer geplanten Veranstaltung auf das Thema «Behinderung in Entwicklungsländern» aufmerksam zu machen oder bereit sind, eine eigene Veranstaltung durchzuführen. Dies kann die Organisation eines Vortrages sein, die Durchführung eines Infostandes oder auch eine andere Aktivität, die geeignet ist, zum Thema Behinderung in den südlichen Ländern zu informieren.

Bei der Durchführung geplanter Aktivitäten können Sie mit der Unterstützung von VENRO rechnen. Diese vermitteln Ihnen ReferentInnen für Vorträge, erstellen eine Ausstellung mit Begleitmaterial, die Sie für Ihre Maßnahmen verwenden können und leisten auch sonstige Hilfestellung bei Ihrer Vorbereitung vor Ort. omp

Weitere Informationen sind erhältlich bei:
Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit e.V.
Wintgenstr. 63, 45239 Essen
Tel.: 0201/40 87 745
Fax : 0201/40 87 748
eMail: bezev@t-online.de
Internet: http://www.bezev.de/

 

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