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01.09.2002 - 11:37
Reisen mit Handicap

Leipzig (kobinet) Seit einigen Monaten nutzt Isolde Hauschild die Deutsche Bahn verstärkt. Seit ein paar Wochen häufen sich die Probleme, nachdem sie anfangs überwiegend positive Erfahrungen machte. Hier ihr Erfahrungsbericht:

Es war alles geplant und organisiert für den Besuch ab dem 19. August bei meinen Freunden. Ich hatte die günstigsten Bahnverbindungen für die Hin- und Rückfahrt heraus gesucht und darauf geachtet, dass genügend Zeit zum Umsteigen bleibt. Die Ein- und Ausstiegshilfe inklusive zwei Mal Umsteigen war beim MobilitätsService bestellt und von diesem bestätigt, die Plätze für die ICEs reserviert und das Ticket gekauft. Die Reise konnte beginnen.

Der Fahrdienst kam pünktlich und ich meldete mich rechtzeitig am ServicePoint des Leipziger Hauptbahnhofes. Die Mitarbeiter taten mir ein bisschen Leid. Viele Reisende konnten ihre geplanten Verbindungen nach Dresden durch das Hochwasser nicht nehmen und belagerten, nicht gerade freundlich, den ServicePoint. Ich saß wie auf heißen Kohlen. Die Mitarbeiterin des ServicePoints kam so spät, dass ich in aller letzter Minute zur Abfahrt des Zuges eingeladen wurde. Fast hätte ich meine Assistentin beauftragt, die Notbremse zu ziehen, falls der Zug ohne mich abfahren wollte.

Obwohl der ICE bis Fulda erhebliche Verspätung hatte, wartete mein Anschlusszug nach Würzburg. Über eine weitere Verspätung machte ich mir keine Gedanken, weil ich sowieso dort etwas länger Aufenthalt hatte. Umso überraschte war ich, als mir der Service-Mitarbeiter sagte, dass ich mit dem vorgesehenen Zug überhaupt nicht fahren könnte, weil der entsprechende Wagen fehlt. Die angehängten Wagen hatten zu schmale Türen. Mir war das unverständlich, weil ich die Beförderung in dieser Regionalbahn auch bei der MobilitätsServiceZentrale angemeldet und eine Bestätigung erhalten hatte.

Wer koordiniert denn, welche Wagentypen eingesetzt werden? Der Service-Mitarbeiter meinte, dafür sei allein die MobilitätsServiceZentrale zuständig. Von denen erhielt ich die Auskunft, dass bei Anmeldung einer Fahrt per Computer eine Anfrage an den Abfahrtsbahnhof geschickt wird. Bestätigt dieser, wird die Anmeldung angenommen. Ansonsten muss eine andere Verbindung gesucht werden. Ich hatte die Bestätigung für meine Fahrt und trotzdem konnte ich den Regionalzug nicht nutzen.

Irgendwie musste ich zu meinem Ziel nach Bad Mergentheim kommen. Meine Freundin wollte mich dort abholen. Ich rief sie an und wir vereinbarten, dass ich nur bis Lauda fahren sollte, um mir ein weiteres Umsteigen zu ersparen. Ich musste noch ungefähr eine Stunde bis zur Abfahrt dieses Zuge warten, hatte aber die Garantie, dass ein "passender" Wagentyp vorhanden war.

Von Würzburg wurde der MobilitätsService in Lauda informiert und er stand bereit, als ich ankam. Glücklicherweise konnte mich meine Freundin in Lauda abholen, denn auch den Anschlusszug nach Bad Mergentheim hätte ich nicht benutzen können. Nach der ganzen Aufregung war ich froh, wenn auch weit über eine Stunde später als geplant, mit endlich angekommen zu sein.

Allerdings blieb die Frage: Wie komme ich wieder nach Leipzig? Ich konnte ja nicht annehmen, dass meine geplante, angemeldete und bestätigte Heimfahrt ab Bad Mergentheim nach dieser Erfahrung reibungslos klappen würde. Die MobilitätsServiceZentrale verlässt sich auf die Angaben der Bahnhöfe. Grundsätzlich erhielt ich die Auskunft, dass ich mit Elektro-Rollstuhl in jedem Zug befördert werden kann. Bis jetzt hat das auch immer geklappt! Plötzlich war nicht mehr sicher, mit welcher Regionalbahn ich überhaupt fahren kann, wenn keiner genau weiß, welcher Wagentyp letztlich eingesetzt wird.

Zusammen mit meiner Freundin setzte ich mich mit der MobilitätsServiceZentrale in Verbindung, um klären zu lassen, wie sicher meine geplante Verbindung für die Heimreise tatsächlich ist. Sie konnten dort nicht schlüssig sagen, ob ich mit der Regionalbahn ab Bad Mergentheim fahren könne, deshalb suchten sie eine Verbindung ab Lauda mit dem Regionalexpress nach Würzburg. Weiterfahren würde ich wie geplant mit den ICEs, nur zu anderen Zeiten. Die Reservierungen und Anmeldungen übernahmen sie, da brauchte ich mich nicht selbst drum kümmern. Blieb mir nur noch den Fahrdienst umzubestellen, da ich eine andere Ankunftszeit in Leipzig haben würde.

Meine Heimreise erwartete ich mit einem unguten Gefühl. Ich rechnete nicht mehr mit einem problemlosen Ablauf, zuviel konnte passieren! Die Fahrt nach Würzburg und von dort nach Fulda verlief ohne Zwischenfälle. Leider hatte ich aus einem anderen Grund Pech: Der ICE hatte einen Triebwerksschaden und fiel ganz aus! Ich wollte keine andere Verbindung mit zusätzlichem Umsteigen nehmen und lieber auf den nächsten ICE warten. Zuerst musste ich aber heraus finden, ob in dem überhaupt ein Rollstuhlstellplatz frei ist. Ich meldete mich beim ReiseZentrum und erhielt zwei Platzreservierungen, die mir nichts nützten. Ob der Rollstuhlstellplatz noch frei ist, konnte man mir nicht sagen und verwies mich zum ReiseManagement. Dem sagte ich, dass ich auf jeden Fall mit diesem ICE fahren würde, auch wenn der Stellplatz nicht mehr frei sei. Im Notfall bliebe ich vor dem Abteil stehen. Der sehr nette Mitarbeiter rief direkt den Zugbegleiter an und reservierte mir so den Rollstuhlstellplatz. Er meldete auch in Leipzig meine geänderte Ankunft dem Mobilitäts-Service und ich den Fahrdienst in Leipzig wieder um! Allerdings hatte dieser ICE auch einen kleineren Schaden und kam mit einer halben Stunde Verspätung an. Der Fahrdienst wartete zum Glück auf mich! Endlich kam ich nach Hause.

Ich frage mich mittlerweile, ob eine stressfreie Bahnfahrt, auch mit Verbindungen kleinere Städten, ohne Probleme möglich ist. Es ist nicht richtig, wenn ich einen anderen Zielort wählen muss, weil kein passender Wagen an dem Zug ist. Richtig wäre es, wenn ein geeigneter Wagen an den Zug angehängt wird, wenn ich mich für eine Fahrt anmelde. Immerhin muss ich bei meiner Anmeldung eine bestimmte Frist einhalten, so dass eine entsprechende Koordinierung durch die Bahn möglich ist. Nicht behinderte Reisende können in jeden Wagen einsteigen, ich aber nicht!

 

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Rolf Barthel   am 21.09.02
 

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